Eine in hohem Maße frustrierende Auswärtsniederlage muss der FC Coburg verdauen: Im Sechs-Punkte-Spiel bei der DJK Gebenbach unterlagen die Vestekicker trotz einer bemerkenswerten Vorstellung höchst unglücklich mit 1:2 und sind damit erst einmal auf den ersten Relegationsrang abgerutscht. Unglücklich vor allem deshalb, weil das Schiedsrichtergespann um den seit dieser Saison in der 2. Bundesliga pfeifenden Referee Felix Wagner mit zwei zumindest sehr diskussionswürdigen Platzverweisen tief in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs massiv zum Nachteil des FCC in den Spielverlauf eingriff. Die zu diesem Zeitpunkt absolut verdient führenden Coburger konnten ihren Vorsprung in doppelter Unterzahl trotz zähem Widerstand nicht ins Ziel retten und standen am Ende mit leeren Händen da. Coach „Calle“ Schiebel hatte seinen Schützlingen hinterher nichts anzukreiden: „Das war eine brutale Mannschaftsleistung! Ich bin stolz auf die Jungs! Wir haben nichts falsch gemacht. Heute konnten wir einfach nicht gewinnen.“
Damit spielte er auf die diesmal klar gegen seine Elf laufenden Spieldynamik an, die sich spätestens ab Minute 40 entfaltete und die Begegnung in zwei völlig unterschiedliche Abschnitte teilte. Denn in eben dieser Minute ging Coburgs Rene Knie nach einem Zweikampf bewusstlos zu Boden, musste wegen Erstickungsgefahr notfallmäßig behandelt und dann – selbstredend – ausgewechselt werden. In der siebenminütigen Nachspielzeit wurde das FCC-Personal weiter dezimiert. Erst schickte der Schiedsrichter Coburgs Sechser Jason Geißendörfer, den er in Minute 32 – nach einer gelungenen Grätsche – bereits gelbverwarnt hatte, nach einem Allerweltsfoul (seinem zweiten im Spiel) mit Gelbrot vom Feld. Dann zeigte er Lucas Jacob, den Schiebel wegen dieses Platzverweises auf den linken Flügel beordert hatte, glatt Rot, als er den Ball mit Gegnerkontakt volley klärte (Schiebel: „Die beiden Platzverweise waren ein Witz!“).
Damit war die Statik des Spiels völlig verändert. Zuvor waren die Vestekicker klar besser, mussten sich allerdings – wie schon in der Vorwoche gegen Cham – entgegen Schiebels Einschätzung vorwerfen lassen, nur einen Treffer erzielt zu haben. Für den hatte Aykut Civelek schon nach 70 Sekunden mit einem Traumfreistoß aus 18 Metern – Roman Guhling war gefoult worden – gesorgt. Nur zwei Minuten später hätte er im Anschluss an eine Ecke aus 14 Metern fast erneut getroffen. Fabian Carl wurde einmal gerade noch geblockt (8.) und verzog, über rechtsdurchgebrochen, knapp (28.). Civelek tauchte nach Guhling-Pass frei vor DJK-Keeper Lukas Völlger auf und scheiterte an diesem (35.), und Leonard Späth verfehlte mit seinem Kopfball aus sechs Metern das Tor nur um Haaresbreite (37.). Für Gebenbach stand lediglich eine Kopfballgelegenheit von Alexander Moratz zu Buche (15.).
Nach dem Seitenwechsel ließ der FCC im 9-gegen-11 mit hohem läuferischem Aufwand gegen relativ einfallslos agierende Gastgeber erst einmal nichts zu und hatte bei Civeleks tollem 70-Meter-Solo sogar die Großchance, zu erhöhen. Doch wieder blieb Völlger Sieger. Und so nahm das an diesem Tag scheinbar Unausweichliche durch zwei Gebenbacher Einwechselspieler seinen Lauf: Erst traf Konstantin Plankl nach einem Gewühl im FCC-Strafraum aus 14 Metern zum Ausgleich und nur drei Minuten später sorgte Salah El Bernd mit einem starken Dribbling über rechts für das 2:1. Trotz der Unterzahl drückten die Vestekicker in den letzten zehn Minuten und hatten bei Civeleks 22-Meter-Freistoß sogar noch eine gute Gelegenheit zum Ausgleich. Aber der FCC-Kampf blieb vergebens.
Gebenbachs Trainer Markus Kipry sah hinterher vor allem das Resultat. „Das war ein dreckiger Sieg, auch in Überzahl haben wir uns enorm schwergetan. Ob die ganzen Karten gegeben werden, weiß ich nicht und will mich nicht dazu äußern.“ Und was bleibt für die Coburger neben dem bitteren Geschmack einer als ungerecht empfundenen Niederlage und einer nicht zufriedenstellenden Punkteausbeute? Zum einen das Gefühl großer mannschaftlicher Geschlossenheit, und zum anderen Schiebels Fazit: „Das Wichtigste ist, dass es Rene gut geht.“
Aufstellung DJK Gebenbach:
Völlger, Golla, Vogl, Hofmann (62. Boynuegrioglu), Kohler (89. Birle), Brandl (59. Plankl), Bakir (59. El Berd), Kipry (46. Dujmovic), Vidovic, Er, Moratz
Aufstellung FCC:
Krempel, Späth (85. Oikonomides), Tranziska, Civelek, Knie (45. Wieczorek), Jacob, Kirchner, A. Guhling (80. Rom), Carl (66. Fischer), R. Guhling (85. Graß), Geißendörfer
Torfolge: 0:1 Aykut Civelek (2.), 1:1 Konstantin Plankl (72.), 2:1 Salah El Berd (75.)
Schiedsrichter: Felix Wagner (Assistenten: Luca Fritsch, Julian Reinwald)
Besondere Vorkommnisse: Gelbrote Karte Jason Geißendörfer (FCC, 45.+5), Rote Karte Lucas Jacob (FCC, 45.+7)
Zuschauer: 210
