Großes Comeback des FC Coburg: In einer äußerst unterhaltsamen Bayernligapartie mit zwei extrem unterschiedlichen Halbzeiten erwiesen sich die Vestekicker als echte Stehaufmänner. Durch einen furiosen Sturmlauf in Durchgang zwei drehten sie den absolut verdienten 0:2-Halbzeitrückstand gegen einen bis dahin wie aus einem Guss auftrumpfenden SV Fortuna Regensburg in einen 4:2-Heimsieg. „Wir hatten Riesenglück, dass es nicht 0:3 oder 0:4 steht“, bekannte FCC-Coach Calle Schiebel. Doch mit frischem Personal und angepasster Taktik war plötzlich alles anders. „Endlich ist mal ein Spiel von der Bank gekommen und wir haben Tore geschossen.“ Vier an der Zahl, so viele wie noch in keinem Saisonspiel. Fortuna-Trainer Arber Morina konnte den Spielverlauf – auch angesichts zweier vergebener Elfmeter seiner Mannschaft in Hälfte eins – hingegen nur schwer akzeptieren: „Es hätte ein Befreiungsschlag für uns werden können. In der ersten Halbzeit war das ein Spiel auf ein Tor. Aber dann verlieren wir unseren Kopf und bekommen viel zu einfache Tore.“
Tatsächlich präsentierte sich sein SV 45 Minuten lang als bärenstarke Elf, was Schiebel neidlos anerkannte: „Das war fußballerisch der beste Gegner in dieser Saison!“ Regensburg war in allen Belangen überlegen, stets antritts- und handlungsschneller und enorm flexibel im Spielaufbau. Dazu fand der FCC insbesondere gegen den überragenden Stürmer Lukas Da Silva Fraundorfer einfach kein Rezept und offensiv schlicht nicht statt. Erstaunlich allein, dass sich dieser Klassenunterschied erst in Minute 31 auf der Anzeigetafel niederschlug. Denn das Coburger Gehäuse stand unter Dauerdruck und die Gäste konnten unter anderem zwei Elfmeter nicht nutzen. Den ersten, von Jason Geißendörfer verschuldeten und von Da Silva Fraundorfer getretenen hielt Luis Krempel mit großer Parade. Und den durch Jonathan Baur verursachten zweiten Strafstoß schoss Ilhami Medilini an den Pfosten. Dann aber flankte Da Silva Fraundorfer auf Medilini, der volley verwandelte. Nach einer weiteren elfmeterreifen Szene sorgte Philip Bockes per toller Direktabnahme für das verdiente 0:2, und Da Silva Fraundorfer hatte zwei weitere Großchancen, bei denen Krempel rettete.
Die Vestekicker hingen in den Seilen und taumelten in die Pause – die wie ein Jungbrunnen wirkte. „Wir haben das Pressing angepasst und Mann gegen Mann gegen ihre drei Zentrumsspieler gespielt,“ verriet Schiebel. Dazu wechselte er mit Doppeltorschütze Cristian Fischer und Zweifachvorlagengeber Cankut Civelek die Offensivwende ein und konnte auf die mutmaßlich schwere Verletzung von Lucas Jacob in Minute 50 mit Luca Oikonomides reagieren, der für zusätzlichen Schwung sorgte. Spätestens mit dem Anschlusstreffer, den Aykut Civelek auf Vorlage von Bruder Cankut wie weiland Robben in Wembley erzielte, glaubte der FCC an seine Chance, wohingegen die Fortuna zu zittern begann (Morina: „Wir hatten Angst, was zu verlieren!“). Wenige Minuten später schickte Aykut Civelek Fischer auf die Reise, der humorlos zum 2:2 ins lange Eck traf und kurz darauf nach Oikonomides-Pass sogar fast erhöhte. Dass SV-Kapitän Andrea Nocerino mit Gelbrot vom Platz musste, spielte Coburg zusätzlich in die Karten, auch wenn Medilini und Da Silva Fraundorfer noch zu zwei gefährlichen Abschlüssen kamen. Doch den Dreier tüteten die Vestekicker ein: Bei einer Flanke von Fischer lief Außenverteidiger Leonard Späth am langen Pfosten durch und traf per Kopf zur 3:2-Führung, und Fischer sorgte nach schulmäßigem Konter über Aykut und Cankut Civelek für den 4:2-Endstand.
SV-Übungsleiter Morina erkannte ein ärgerliches Muster: „Wir schaffen aktuell leider nur eine gute Halbzeit. Das ist keine Frage der Kondition, sondern eine mentale Geschichte.“ Große Freude hingegen bei Gegenüber Schiebel: „Eigentlich hatte ich in der Kabine nur an die Jungs appelliert, nicht unterzugehen und sich als Team zu zeigen. Nach dem 2:1 hat sich Energie entwickelt, das war dann ein Selbstläufer. Und diesmal haben wir die Überzahl wesentlich besser ausgespielt als in Neudrossenfeld!“ Was für seine Vestekicker zu einem eminent wichtigen Sieg führte, mit dem sie den unmittelbaren Kontakt zum rettenden Ufer halten.
Aufstellung FCC:
Krempel, Späth, A. Civelek, Baur, Knie, Jacob (53. Oikonomides), Kirchner, Carl (87. Graß), R. Guhling (46. Fischer), Rom (46. C. Civelek), Geißendörfer (46. Wieczorek)
Aufstellung SV Fortuna Regensburg:
Köpper, Altenstrasser (80. Milletich), Medineli (84. Onwudiwe), Nocerino, Morina, Berg (75. Kamscha), Ziegler, Dantscher, Bockes, Hedider, Da Silva Fraundorfer
Torfolge: 0:1 Ilhami Medineli (31.), 0:2 Philip Bockes (39.), 1:2 Aykut Civelek (56.), 2:2 Cristian Fischer (64.), 3:2 Leonard Späth (81.), 4:2 Cristian Fischer (90.)
Schiedsrichter: Benjamin Wagner (Assistenten: Valentin Striebich, David Wagner)
Besondere Vorkommnisse: Gelbrot Andrea Nocerino (Regensburg, 72.)
Zuschauer: 250
