Später Triumph für den FC Coburg: Im tabellarisch hoch brisanten Bayernliga-Kellerduell mit Schlusslicht SC Großschwarzenlohe schoss Ricardo König die Vestekicker in der Nachspielzeit zum 4:3-Sieg und damit zu eminent wichtigen drei Punkten. Dieser Siegtreffer war der emotionale Höhe- und Schlusspunkt des an Highlights und irren Wendungen wahrlich nicht armen Aufeinandertreffens zweier Liganeulinge. Während die Situation für den SC immer bedrohlicher wird, hat sich der FCC nach zuletzt vier – teilweise deftigen – Niederlagen deutlich hörbar im Kampf um den Klassenerhalt zurückgemeldet und seinen schon vor einer Woche in Bamberg klar erkennbaren Aufwärtstrend bestätigt. Coburgs Chefcoach Carl-Philipp Schiebel lobte seine Elf nach dem Abpfiff zu Recht: „Sich trotz aller Rückschläge – kurz vor dem Spiel ist noch Rene Knie ausgefallen – so zu präsentieren wie meine Jungs und dann das Tor durch den Lucky Punch zu erzielen, nie aufzugeben, das ist genau das Bild der Mannschaft!“
Dass der Last-Minute-Treffer zum FCC-Glück nötig werden würde, war anfangs jedoch nicht absehbar. Denn die Vestekicker überrannten die Gäste in den ersten Minuten förmlich. Einen Freistoß von Aykut Civelek konnte SC-Keeper Sebastian Vogel zwar noch zur Ecke lenken. Die führte jedoch schon in Minute drei zum 1:0: Maximilian Tranziskas Kopfball wurde noch abgewehrt, aber sein Innenverteidiger-Kollege Jonas Kirchner zimmerte den Abpraller unter´s Gebälk. Und nur eine Minute später dribbelte Camillo Fischer nach geklärter SC-Flanke über das halbe Spielfeld, spielte mit Fabian Carl Doppelpass und traf per Flachschuss aus 15 Metern zum 2:0. Beim nächsten Angriff hätte Aykut Civelek sogar fast für Treffer Nummer drei gesorgt, doch Vogel gewann das Eins-gegen-eins. Das Tempo der Partie blieb atemberaubend, und der Gast fasste endlich Fuß auf dem Kunstrasenplatz: Markus Müller köpfte aus sechs Metern noch drüber, doch Fabian Kloses Schuss von der Strafraumgrenze landete abgefälscht zum 2:1 im Netz. Nur zwei Minuten danach lag der FCC aber schon wieder mit zwei Toren vorne, denn Coburgs Zweikampfriese Jonathan Baur köpfte eine Maßflanke von Sven Wieczorek ein.
Nach diesen wilden 13 Anfangsminuten verloren die Vestekicker allerdings ihre Intensität und der SC kam immer stärker auf. Maximilian Takacs scheiterte an FCC-Türsteher Luis Krempel und Christian Heinloth wurde geblockt, doch Timo Kräftner beförderte die anschließende Ecke per Kopf fast von der Strafraumkante zum erneuten Anschluss ins lange Eck. Zweimal Kräftner sowie Takacs hatten schon vor der Pause den Ausgleich auf dem Fuß. Der fiel dann kurz nach dem Seitenwechsel durch einen Traumfreistoß von Klose. Nach diesem Aufhol-Kraftakt musste der SC das Tempo drosseln und Coburg erarbeitete sich – auch mit frischem Schwung von der Bank – ein neuerliches Übergewicht mit ungenutzten Gelegenheiten von Aykut und Cankut Civelek, Kirchner und König, so dass es beim 3:3 blieb. Bis in Minute 90.+2: Cankut Civelek bediente seinen Bruder per Hacke und dessen perfekt getimte Hereingabe von links fand König in der Mitte. Der Rest war Coburger Jubel. „Dass ausgerechnet Ricardo, der noch in Bamberg unglücklich unterwegs war, als Joker das Siegtor schießt, ist überragend“, freute sich Schiebel über die besondere Pointe dieses Treffers, der die Gäste tief ins Mark traf.
SC-Trainer Florian Bauer: „Leider ein Sinnbild der Saison. Wir haben oft mehr Chancen als der Gegner und lassen sie dann (…) liegen. Wir sind besser, als der Tabellenplatz und die Punkte besagen.“ Offensichtlich wurmte ihn die erneut knappe Niederlage gegen den im Hinspiel mit 1:0 siegreichen FCC besonders: „Es ist dann trotzdem bezeichnend, wenn du zweimal gegen Coburg verlierst, denn es gibt schon bessere Mannschaften in der Liga.“ Eine Spitze, mit der die Vestekicker sicherlich gut leben können. Nochmals Schiebel: „Am Ende war das trotzdem ein verdienter Sieg. Die Jungs haben bis zum Schluss daran geglaubt, trotz einiger Entscheidungen des Schiedsrichters, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.“ Und er wurde grundsätzlich: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wenn ich sehe, wo wir nach den letzten harten Wochen herkommen – trotzdem wird unter der Woche überragend trainiert!“ Arbeit, die sich nach seiner Vorstellung auch im Match beim dritten Liganeuling FSV Stadeln am kommenden Samstag in Punkteform auszahlen soll, ehe es in die Winterpause geht.
Aufstellung FCC:
Krempel, Späth, Tranziska, A. Civelek, Baur (61. Geißendörfer), Fischer (73. A. Guhling), Wieczorek, Kirchner, Oikonomides (61. C. Civelek), Carl (73. König), R. Guhling (90.+2 Graß)
Aufstellung SC Großschwarzenlohe:
Vogel, Ruiu, Schwarzer (70. Schäll), Klose, Kräftner, Takacs, Müller, Heinloth (57. Wessner), Stahl (21. Chatzioglou), Schwarz, Takmak
Torfolge: 1:0 Jonas Kirchner (3.), 2:0 Cristian Fischer (4.), 2:1 Fabian Klose (11.), 3:1 Jonathan Baur (13.), 3:2 Timo Kräftner (25.), 3:3 Fabian Klose (51.), 4:3 Ricardo König (90.+2)
Schiedsrichter: Maximilian Ziegler (Assistenten: Erik Prescher, Manuela Kraus)
Zuschauer: 150
